Das Forschungsfeld Krebsforschung

Jährlich erkranken in Österreich etwa 36.000 Menschen an Krebs, bösartige Tumorerkrankungen stellen somit nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache dar. Angesichts der Tatsache, dass diese Erkrankungen überwiegend im höheren Alter auftreten, wird wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung die Bedeutung der Krebserkrankungen bei der Beschreibung des Gesundheitszustandes und bei der Planung der Gesundheitsversorgung auch in Zukunft weiter zunehmen. (Quelle: Statistik Austria). Aufgrund von Prognosen wird die Onkologie bald das wirtschaftlich bedeutendste Therapiegebiet sein.

Die hohe Relevanz der Onkologie und der damit verbundenen Forschung wird auch an der Med Uni Graz abgebildet: Nach Statistiken des Rektorates waren 2009 ca. 15% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Med Uni Graz im Bereich „Krebsforschung und verwandte Gebiete“ tätig, 26% der eingeworbenen Drittmittel, 20% der Publikationen und 25% der Impaktfaktoren waren der Onkologie zuzurechnen. Damit hat der Bereich der Tumorforschung an der Med Uni Graz traditionell einen hohen Stellenwert und wurde als ein Forschungsfeld im Herbst 2008 definiert.
 
Hier finden Sie Publikationen des FF Krebsforschung sowie
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Forschungsfeldes versuchen auf der Basis der bestehenden Kompetenzen und Erfolge die Onkologie für zukünftige Aufgaben und Herausforderungen weiter systematisch auszubauen.
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Zurzeit findet an der Medizinischen Universität Graz Tumorforschung bereits in zahlreichen multidisziplinären Gebieten statt. Die überwiegende Mehrheit der derzeitigen Projekte ist im Bereich der angewandten, klinischen Forschung anzusiedeln, die bisherigen Aktivitäten im Bereich der Grundlagenforschung sollen weiter ausgebaut werden. Dafür steht bereits jetzt an den verschiedenen Einrichtungen ein umfangreiches, state-of-the-art Angebot an innovativen Technologien zur Verfügung. Insbesondere durch Einrichtungen wie die Biobank, eine international sichtbare und anerkannte Infrastruktur, hat die Med Uni Graz einen besonderen Standortvorteil, der besonders die Tumorforschung vorteilhaft positioniert. Weiters werden die Forschungsaktivitäten durch einen erfreulich hohen Grad an Interaktionen zwischen verschiedenen Kliniken oder zwischen Kliniken und Instituten der Vorklinik unterstützt. Diese Vernetzung wird in bereits etablierten Strukturen abgebildet, wie das PhD-Programm MEDICA (MEtabolic DIseases and CAncer), die begleitende Doctoral School mit dem gleichen Namen, das „ISET-Netz“, die Doctoral School "Bone, Muscle & Joint" mit einem onkologischen Teilgebiet sowie eine interdisziplinäre Gruppe, die sich mit einer speziellen Technik zur Anreicherung zirkulierender Tumorzellen beschäftigt (koordiniert von Frau Prof. C. Lackner), das Lebernetzwerk (koordiniert von Prof. R. Stauber). Weiters bestehen verschiedene interdisziplinäre Tumorboards, Tumorambulanzen und Tumorsprechstunden, die beispielsweise speziell für Ratsuchende mit Verdacht auf hereditäre Tumorerkrankungen eingerichtet wurden.
Das Forschungsfeld hat in verschiedenen Workshops Bereiche definiert, in denen besonders viele Aktivitäten bereits vorhanden sind und die speziell an der Med Uni Graz translational ausgebaut werden sollen:
 
 
1) Tumorbiologische Grundlagen und konsekutive Etablierung neuer somatischer Faktoren für Diagnostik, Prognostik, Prädiktion und Disease monitoring:
A) zelluläre Analysen:
Tumorstammzellen, Disseminierung und Metastasierung;
B) nicht-zelluläre Analysen:
Serum DNA, Proteine,…
(Koordinatoren: M. Balic, C. Lackner, M. Speicher)
2) Mikroenvironment
(Koordinatoren: J. Haybäck, C. Gülly, A. Leithner)
3) Myeloische Gruppe
(Koordinator: H. Sill)
4) Verbesserte Behandlungsoptionen (Hypertherme Onkologie; individualisierte Therapie)
(Koordinatoren: H. Kapp; H. Samonigg)
5) Präventionsmaßnahmen/Identifizierung von At-risk Personen
(Koordinator: A. Gerger)
6) Palliativmedizin/Psychoonkologie
(Koordinatoren: E. Andritsch, S. Zloklikovic)
 
In diesen Bereichen werden Forschungskonzepte entwickelt, die folgende Ziele haben: Identifizierung prädiktiver Marker für Medikamente (individualisierte Tumortherapie), Prävention durch Identifizierung von high-risk Personen, genetische Analyse von Krebszellen und Erfassung ihrer Instabilitätsmuster, Tumorstammzellen, Prozess der Metastasierung und translationale Forschung, also einer intensiven Verbindung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung.
Die bisherigen Diskussionen in den verschiedenen Workshops des Forschungsfeldes Tumorforschung haben bereits zu neuen Synergieeffekten und Kooperationen geführt. Zurzeit werden die bereits bestehenden Aktivitäten Instituts- und Klinikenübergreifend gebündelt, gemeinsame Projekte definiert und Strategien zur Einwerbung von Forschungsförderungen entwickelt.
Zur Koordination und vereinfachten Verbreitung der Informationen der einzelnen Arbeitsgruppen wurde ein regelmäßiger Jourfix zum Thema „Forschungsfeld Tumorforschung“ etabliert. Um möglichst viele Kolleginnen und Kollegen anzusprechen und um das Ziel, die translationale Forschung systematisch auszubauen zu erreichen, finden diese Besprechungen in einem sehr offenen Format statt. Beispielsweise werden KollegInnen der klinischen Fächer gebeten, ihre Patientenkollektive und Wünsche an Personen, die in der Grundlagenforschung arbeiten, vorzustellen (und umgekehrt), um gemeinsam die Durchführbarkeit neuer Projekte zu definieren. An diesen Aktivitäten sind bereits jetzt zahlreiche Kliniken und Institute eingebunden und wir sind zuversichtlich, dass wir mit unserem Format den größtmöglichen Verbreitungsgrad finden.
 

 

Letzte Aktualisierung: 18.09.2017