Hautkrebssyndromregister

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Hautkrebssyndrome sind dadurch gekennzeichnet, dass betroffene Patienten aufgrund genetischer Defekte eine extrem erhöhte Hautkrebshäufigkeit aufweisen. So ist z.B. die Hautkrebshäufigkeit bei Xeroderma pigmentosum, einer autosomal rezessiven genetischen Erkrankung, bei der je nach Komplementgruppe bestimmte DNA-Reparaturenzyme defekt sind,  um den Faktor 6000 im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht.  Patienten mit Basalzellnävussyndrom erkranken infolge eines defekten Patched/Hedgehog/Smoothened-Tumorsuppressor-Pathway oft bereits im Alter von unter 20 Jahren an Basalzellkarzinomen und im Laufe des Lebens oft an hunderten Hauttumoren.  Die Krankheitsverläufe der unterschiedlichen Hautkrebssyndrome variieren individuell hinsichtlich ihrer Ausprägung und des Erscheinungsbildes, wobei die Ursachen dafür, obgleich nicht genau bekannt, höchstwahrscheinlich auf dem zugrunde liegenden Mutationstyp des betroffen Gens und/oder Umweltfaktoren beruhen.
Die Therapie von Hauttumoren bei Patienten mit Hautkrebssyndromen ist herausfordernd, da häufig viele Tumore im Bereich größerer Hautfelder (sog.  Feldkanzerisierung) vorliegen.  Bis vor wenigen Jahre galt die chirurgische Therapie als Standardtherapie von Hauttumoren bei diesen Syndromen und alternative Behandlungsmöglichkeiten gab es kaum.  Die Einführung neuer Therapieformen wie z.B. der photodynamischen Therapie (PDT) und der Immunstimulanzien wie Imiquimod (Toll-like-Rezeptor-Agonist) hat die Behandlungsmöglichkeiten sehr erweitert. Aufgrund des relativ seltenen Auftretens von Hautkrebssyndromen (Orphan disease; Häufigkeit weit weniger als 1 pro 10.000 Einwohner) liegen jedoch nur begrenzte Erfahrungen über diese neuen Behandlungsmöglichkeiten bei diesen Syndromen vor.
Die Erforschung der genetischen Ursachen von Hautkrebssyndromen durch die Möglichkeiten der rekombinanten Gentechnologie und die Entwicklung von Medikamenten, die gezielt in krankheitsrelevante Reaktionswege eingreifen,  hat die Vorbeuge- und Therapiemöglichkeiten bei diesen Syndromen in den letzten Jahren enorm erweitert. Die Enzymersatztherapie z.B. kann nicht funktionierende Enzyme ersetzen, z.B. durch Eincremen der Haut mit DNA-Reparaturenzymhaltiger Cremen bei Xeroderma pigmentosum1,2.  Therapeutisch können bestimmte Proteine den Funktionsverlust eines Tumorsuppressor Pathway wie z.B. Patched /Hedgehog/Smoothened gezielt beheben und ermöglichen somit die nicht-invasive Behandlung von Hautkrebs.3,4

Hautkrebssyndrom-Register Graz

Das Hautkrebssyndrom-Register Graz wurde 2009 eingerichtet um
(1) detaillierte Informationen über mögliche zusätzliche Risikofaktoren, die klinische Ausprägung und den Verlauf von Hautkrebssyndromen und das Ansprechen auf die Therapie bei möglichst vielen Patienten zu gewinnen und
(2) PatientInnen gezielt zu Studien mit neuen Behandlungsmöglichkeiten einladen zu können.
Patienten mit folgenden Hautkrebssyndromen bzw. Erkrankungen werden in das Register unter Beachtung ethischer Richtlinien (Ethikantrag Nr. ex 21-111 ex 09/10 an die  Ethikkommission der Medizinischen Universität Graz) und strengen Vorgaben des Datenschutzes aufgenommen:
1. Xeroderma pigmentosum2 u. andere Syndrome mit defekter DNA-Reparatur5
2. Basalzellnävussyndrom6-8
3. Epidermodysplasia verruciformis9-11
4. Rothmund-Thomson Syndrom12
5. Andere Hautkrebssyndrome

Kontakt und weiterführende Informationen

Univ. Prof. Dr. Peter Wolf
peter.wolf@medunigraz.at
Literatur
  1. Kraemer, K.H. & DiGiovanna, J.J. Topical enzyme therapy for skin diseases? J Am Acad Dermatol 46, 463-466 (2002).
  2. Yarosh, D., et al. Effect of topically applied T4 endonuclease V in liposomes on skin cancer in xeroderma pigmentosum: a randomised study. Xeroderma Pigmentosum Study Group. Lancet 357, 926-929 (2001).
  3. Frank-Kamenetsky, M., et al. Small-molecule modulators of Hedgehog signaling: identification and characterization of Smoothened agonists and antagonists. J Biol 1, 10 (2002).
  4. Mukherjee, S., et al. Hedgehog signaling and response to cyclopamine differ in epithelial and stromal cells in benign breast and breast cancer. Cancer Biol Ther 5, 674-683 (2006).
  5. Inui, H., et al. Xeroderma pigmentosum-variant patients from America, Europe, and Asia. J Invest Dermatol 128, 2055-2068 (2008).
  6. Daya-Grosjean, L. & Couve-Privat, S. Sonic hedgehog signaling in basal cell carcinomas. Cancer Lett 225, 181-192 (2005).
  7. Hahn, H., et al. Mutations of the human homolog of Drosophila patched in the nevoid basal cell carcinoma syndrome. Cell 85, 841-851 (1996).
  8. Kimonis, V.E., et al. Clinical manifestations in 105 persons with nevoid basal cell carcinoma syndrome. Am J Med Genet 69, 299-308 (1997).
  9. Lazarczyk, M., Cassonnet, P., Pons, C., Jacob, Y. & Favre, M. The EVER proteins as a natural barrier against papillomaviruses: a new insight into the pathogenesis of human papillomavirus infections. Microbiol Mol Biol Rev 73, 348-370 (2009).
  10. Majewski, S. & Jablonska, S. Do epidermodysplasia verruciformis human papillomaviruses contribute to malignant and benign epidermal proliferations? Arch Dermatol 138, 649-654 (2002).
  11. McDermott, D.F., et al. Autosomal dominant epidermodysplasia verruciformis lacking a known EVER1 or EVER2 mutation. Pediatr Dermatol 26, 306-310 (2009).
  12. Wang, L.L., et al. Association between osteosarcoma and deleterious mutations in the RECQL4 gene in Rothmund-Thomson syndrome. J Natl Cancer Inst 95, 669-674 (2003).
Letzte Aktualisierung: 12.05.2014